Tarifverhandlungen laufen an: Sicherheit statt Tauziehen


AWO-Arbeitgeber bieten Beschäftigten ein Plus über dem Niveau des öffentlichen Dienstes

Die Arbeitgeber gehen in die Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag für die rund 60.000 Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt NRW mit einem klaren Signal: Sie bekunden ihre Bereitschaft zu einem schnellen Abschluss, der sich sogar oberhalb der vorangegangenen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst bewegt – und der vor allem längerfristige Sicherheit vermittelt.

„In Zeiten der Corona-Pandemie haben wir alle andere Sorgen, als monatelang um Prozentpunkte zu streiten“, sagt stellvertretend für die Tarifgemeinschaft Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer der AWO NRW. Deshalb seien die Arbeitgeber trotz deutlicher Risiken bereit, von vornherein mit einem offensiven Angebot in die Verhandlungen einzusteigen und ihren Mitarbeitenden gleichzeitig zuverlässige Perspektiven zu bieten.

„Egal ob in der Pflege, in den Kindertagesstätten oder in anderen Einrichtungen: Wir sind unzweifelhaft darauf angewiesen, dass wir höhere Löhne und Gehälter auch von der öffentlichen Hand bzw. den Sozialversicherungsträgern refinanziert bekommen“, so Uwe Hildebrandt. Trotzdem sei es nicht an der Zeit, in ein wochenlanges Feilschen einzusteigen. Denn gerade jetzt brauche es eine fundierte Leistungsfähigkeit aller AWO-Dienstleistungen und zugleich eine über den Tag hinausgehende Perspektive für alle Mitarbeitenden. Die AWO-Einrichtungen hätten größtes Interesse und die Verpflichtung, in den kommenden Monaten handlungsfähig zu bleiben und sich für das Wohlergehen der Menschen engagieren zu können.

Im Übrigen gelte es über den Tarif hinaus, auch künftig zusammen mit den Arbeitnehmern und der Gewerkschaft für die überfällige Aufwertung der Berufe in Pflege und Betreuung einzutreten: „Wir haben in den vergangenen Monaten in vielen Lippenbekenntnissen immer wieder gehört, wie wichtig Pflege und Betreuung für unsere Gesellschaft sind. Jetzt brauchen wir Taten auf Seiten der Politik und der Gesetzgeber durch eine klare Aufwertung der Sozialwirtschaft.“

Konkret bieten die AWO-Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine Steigerung der Tarifleistungen bereits ab dem 1. Februar 2021 um 2 Prozent und damit deutlich mehr, als die im öffentlichen Dienst für die meisten Beschäftigten vereinbarten 1,4 Prozent. Zudem mussten die Beschäftigten in den Kommunen nach dem Auslaufen der alten Tabellen 7 Monate auf die Gehaltserhöhung warten. Bei der AWO wird sofort angehoben. In einem zweiten Schritt steigen die Löhne und Gehälter ab dem 1. April 2022 um noch einmal 1,8 Prozent an. Die Ausbildungsvergütungen werden ebenfalls in zwei Stufen um insgesamt 50 Euro angehoben. Als weitere Verbesserungen sind neue oder kräftig erhöhte Zulagen vorgesehen, so z. B. für die OGS-Mitarbeitenden und in der Pflege.

Auch Dr. Andreas Neumann, Geschäftsführer des AWO Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein/Olpe begrüßt es, dass der Arbeitgeberverband bereits zu einem so frühen Zeitpunkt dieses sehr gute Angebot vorlegt: „Das zeigt die Wertschätzung und die Anerkennung für die außergewöhnlichen Leistungen der Kolleginnen und Kollegen in dieser außergewöhnlichen Zeit.

Wir brauchen in der Pandemie Sicherheit und einen schnellen Tarifabschluss und ein deutliches Signal der Wertschätzung für soziale Berufe. Die AWO macht damit deutlich, dass Applaus alleine nicht ausreicht, sondern dass es auch um die materielle Anerkennung und Wertschätzung der sozialen Berufe geht.“

Neumann erinnert aber gleichzeitig an die Situation der Beschäftigten mit Behinderung in den Werkstätten, die nur einen „arbeitnehmerähnlichen“ Mitarbeiterstatus haben und daher nicht unter den Tarifvertrag fallen. Aufgrund starker Umsatzeinbrüche durch Betretungsverbote und Quarantäne erhalten die Beschäftigten in den AWO Siegener Werkstätten derzeit ein geringeres Entgelt als noch im vergangenen Jahr. „Wir engagieren uns als Kreisverband gemeinsam mit dem Werkstattrat gerade intensiv für die Interessen der Beschäftigten in Politik und Gesellschaft. Die Corona-Pandemie hat die strukturelle Benachteiligung von Werkstattbeschäftigten als sogenannte „arbeitnehmerähnliche Personen“ offengelegt. Die Beseitigung dieser Nachteile wollen wir vorantreiben und es gibt seitens der Politik viel Gesprächsbereitschaft und erste positive Signale.“

Die offiziellen Verhandlungen zwischen den AWO-Arbeitgebern und der Gewerkschaft ver.di beginnen in der zweiten Februar-Hälfte. Die AWO hofft darauf, dann schon zu einem baldigen Ergebnis zu kommen. Der neue Tarifvertrag soll rückwirkend in Kraft treten, nachdem der bisherige Ende Januar 2021 ausläuft. Die AWO-Arbeitgeber streben eine Laufzeit von 28 Monaten bis zum 31. Mai 2023 an. Das entspricht dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst.